Die Kibag lehnt die Begehung der Buchten in Nuolen für eine Umweltexpertise ab – Schwyz will Konzessionen nicht offen legen. Landschaftsschützer geben Umweltexpertise in Auftrag.
Die Landschaftsschutzorganisation Ripa Inculta! mit schon über 900 Mitgliedern hat der Kibag, dem Kanton und den Gemeinden die Durchführung eines Runden Tischs angeboten, um die Naturschutzanliegen von Nuolen zu besprechen. Da dieses Ansinnen abgelehnt wurde, hat Ripa Inculta! der Kibag angeboten, für die Buchten in Nuolen eine objektive Umweltexpertise zu finanzieren. Für diese Arbeiten durch das unabhängige Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW liegen bei Ripa Inculta! dank Spenden schon Fr. 40’000.- bereit.
Für die Expertise müssen die Wissenschaftler der ZHAW die Nuoler Buchten betreten können. Ein weiteres Mal blockt die Kibag. Am 16. Mai 2010 verwehrte sie den Zugang zu den Buchten schriftlich. Die Kibag nennt die angebotene Expertise in ihrem Absageschreiben mehrmals eine „Privatexpertise“. Jedoch wäre genau die vorgeschlagene Arbeit eine objektive und neutrale Arbeit durch eine anerkannte wissenschaftliche Institution. Dies im Gegensatz zum veralteten Umweltbericht der Kibag, den die Kibag selber in Auftrag gegeben hat. Das Verhalten der Kibag in Naturschutzfragen erstaunt ein weiteres Mal.
Auftrag an die Zürcher Wissenschaftler
Trotz der befremdlichen Haltung des Kiesunternehmens haben die Landschaftsschützer den Auftrag erteilt, eine Umweltexpertise zur 600-Meter-Uferüberbauung in Nuolen zu machen. Sie erwarten Antworten auf folgende wichtige Fragen: 1. Wie viel Schilf- und Ufervegetation, würde durch das Projekt zerstört und ist das rechtlich vertretbar? 2. Sind Seeauffüllungen zur Erschaffung von Bauland rechtlich haltbar? 3. Die Überbauung sieht vor, dass der heutige Kiesverladehafen abgebrochen wird. Wie ist der Ersatz-Kiesverladehafen im offenen Obersee zu beurteilen? 4. Die Kantone St. Gallen und Zürich bewilligen auf dem Zürichsee keine neuen Bootsplätze. Dürfen in Nuolen 70 neue Bootsplätze entstehen? 5. Kann auf der Halbinsel in Anbetracht der Schutzzonen für die Hafeneinfahrt Nuolen und der grossen Schilfbestände ein Freibad betrieben werden? ? 6. Die geplante 600-Meterüberbauung mit 65 Häusern steht inmitten der drei Schutzgebiete „Buchberg“, „Obersee“ und „Nuoler Ried“. Besteht hier ein grosses Konfliktpotential?
Offen bleibt noch die Natur
Was die Wissenschaftler der ZHAW nach der ablehnenden Haltung der Kibag in den Buchten nicht untersuchen können, sind alle Untersuchungen zu den Tier- und Pflanzenvorkommen in den Nuoler Buchten. Diese werden wohl später nachgeholt werden müssen, da davon auszugehen ist, dass die heutigen Verhältnisse mit den in den alten Unterlagen nicht mehr vergleichbar sind. Vor allem die Hunzikerbucht entwickelte sich zu einer äusserst wertvollen Naturbucht mit Vorkommen von Muscheln, Fischen, Wasservögeln sowie bis zu 150 Meter langen und dichten Schilfbeständen.
Kosten durch Spender gedeckt.
Die Sammlung zum Schutz der Ufer von Nuolen und des Landschaftsbildes am Obersee läuft. Bis heute sind über Fr. 40’000.- zusammengekommen, was zur Finanzierung der Expertise annähernd ausreicht. Die Arbeit zum Schutz der Ufer geht weiter, wie der Sprecher von Ripa Inculta!, Gregor Ruoss, ausführt. Zusammen mit der Organisation Nuolen natürlich! wollen sie den nachfolgenden Generationen einen Obersee ohne gewaltige, 600 Meter lange Überbauungen überlassen.
Schwyz blockt auch
Der Anwalt von Nuolen natürlich! und Ripa Inculta! hat beim Regierungsrat des Kantons Schwyz um die Möglichkeit gebeten, in die Konzessionen der Kibag zum Kiesabbau in Nuolen und Tuggen einsehen zu können. Der Regierungsrat des Kantons Schwyz lehnte diese Einsichtnahme am 8. Juni 2010 ab. Warum auch, fragt man sich? Was muss verborgen werden? Die Kibag beutet das Land um Nuolen und Tuggen aus. Ist es richtig, dass die Bevölkerung nicht wissen darf, zu welchen Bedingungen und mit welchen Auflagen das gemacht wird? Die Sache um die Riesenüberbauung in Nuolen auf rechtlich fragwürdigsten Grundlagen wird immer unheimlicher.